Das Beste aus zwei Braugasthöfen beim fränkisch-schwäbischen Bierkulinarium

Manchmal muss man gar nicht so weit in die Ferne schweifen, um eine andere Welt zu entdecken. Eigentlich eine doppelte Überraschung, denn mit der Auftaktveranstaltung zur neuen bierkulinarischen Reihe „Braugasthöfe gemeinsam“ stand dieses Bierkulinarium ganz im Zeichen der Braukunst, wie sie in den Reihen der Privaten Braugasthöfe und Hotels gepflegt wird. Und diese Vereinigung ist ja nun eher dafür bekannt, dass sie Brauereien miteinander verbindet, die zumindest in ihrer Philosophie alle einen ganz ähnlichen Ansatz verfolgen.

Doch was die beiden Biersommeliers Kerstin und Christof Pilarzyk da ins Glas und auf den Tisch brachten, hatte mal wieder das Zeug für große Aha-Effekte. Denn Protagonist und Sparringspartner für die hopfigen Genüsse aus der Brauerei Grosch war niemand Geringeres als die Schäffler Bräu aus Missen im Allgäu, die nicht mehr lange nur im Bayerischen Südwesten einen legendären Ruf genießen dürfte. Obwohl die Biere vom Nordrand der Alpen gemeinhin für ihren milden Charakter bekannt sind und daher oft als unauffällig gelten, zeigen Braumeister Florian Graßl und Schäffler-Chef Sebastian Graßl der Bierwelt selbstbewusst, dass heute nichts mehr wie erwartet und schon gar nicht wie früher sein muss.

Paradebeispiel ist das halbdunkle Schäffler-Hausbier: Lange Zeit nur im Fass erhältlich, hat sich diese halbdunkle Bierspezialität einen echten Liebhaberkreis aufgebaut. Durch seine rötliche Erscheinung ist es unverwechselbar im Glas, dank seiner Malzaromatik und einer leichten Röstnote eine echte Granate im Glas und gleichauf mit dem mahagonifarbenen Grosch-Fuhrmannstrunk, dessen leichte Röstaromen von Kaffee und Karamell und dezentes Hopfenaroma im Abgang ebenfalls ein unerwartetes Trinkerlebnis bieten. Stellt man diese beiden stolzen Biere nebeneinander, es sieht aus als würden sie sagen: „Probiert und malt Euer Weltbild neu!“

Man könnte dieses Rollenspiel, das eher eine Abenteuer-Doku gleicht, an so einem Abend lange fortsetzen und sich von weiteren komplementären Paaren inspirieren lassen, etwa vom Anno 1492 und der Schäffler-Weissen. Nun ja, tat man auch. Und wird es wieder tun, beim nächsten Grosch-Bierkulinarium im Januar.

Gaumenfreuden in fränkisch allgäuischer Harmonie

Allen Grosch-Bierkulinarien ist eines gemein: Die oberfränkische Küche verbeugt sich an so einem Abend in jedem Gang vor der Kochkunst, wie sie in anderen Regionen gepflegt wird. Und wer ans Bayerische Allgäu denkt, kommt weder an Spätzle vorbei noch an geschmolzenem Käse. Dabei ging es noch gemächlich los mit Ziegenkäsedipp, Weißwurstsalat. Weil aber auch Oberfranken als Genussregion immer einen würdigen Anteil am viergängigen Menü mit Fingerfood-Aufwärmrunde hat, stellte bereits der Apero dazu aus Zwetschgenbrandy, Holundersirup und Grosch-Hefeweissbier in Aussicht, wo an diesem Abend die kulinarische Messlatte hängen würde.

Im nächsten Gang führte das geräucherte Forellenfilet mit Apfel-Meerrettichcreme, Wildkräutersalat und Kartoffelrösti schnurstracks zum Thema, das nach der Käserahmsuppe mit Treberbrotwürfeln als Zwischengang im rosa gebratenen Kalbsrückensteak an einer leichten Bierrahmsoße mit Zuckerschoten und Spätzle gipfelte. Die im Bierteig gebackenen Apfelringe mit hausgemachter Kürbis-Vanille-Eiscreme und Pflaumenkompott setzten den kulinarischen Schlusspunkt zu einem Moment, an dem so mancher verwöhnte Gaumen kaum mehr eine Steigerung erwartet hätte.