Fränkisch-italienisches Stelldichein beim Herbst-Bierkulinarium

Biergenießer von nah und weit her nutzten bei unserem Herbst-Bierkulinarium die Gelegenheit, einen intensiven Eindruck von der Geschmacksvielfalt zu bekommen, die Spezialitäten aus Oberfranken und aus anderen Regionen Europas zu bieten haben. Diesmal ging es, freilich mit einem liebevollen Augenzwinkern, um ein kulinarisches Kräftemessen zwischen den Hausherren Kerstin und Christof Pilarzyk und den Koch- und Braukünsten ausgewählter Kollegen aus Südtirol und Norditalien.

Immer geht es bei den Grosch-Bierkulinarien ja um Spezialitäten aus Hopfen und Malz, die mit Leidenschaft und Innovationsgeist rein handwerklich hergestellt werden – verpackt in vier Gänge, einen Bierapero und acht begleitende Biere. Und da ist Italien natürlich prädestiniert für ein Event, bei dem Aromen und Geschmacksnuancen im Mittelpunkt stehen. Längst haben insbesondere findige Brauer im Norden des Stiefels den Ruf des „Dolce far niente“ abgestreift und das Bier für sich als Spielwiese zur Kreation neuer Genüsse entdeckt. Hierzulande ist das noch eine Überraschung, aber doch im Grunde kein Wunder bei der Vielzahl an Möglichkeiten aus über 50 Malz- und mehr als 100 Hopfensorten.

Auf ihre ganz eigene Art verstanden es die beiden Biersommeliers Kerstin und Christof Pilarzyk, den Bierprobierern Neukreationen wie den naturtrüben Whiskey Porter der Bozener Batzen Bräu oder das Peroni Rossa aus Vigevano nahe Mailand nahezubringen. Immer wieder boten die beiden Biersommeliers Vergleiche mit neuen und altbekannten Bieren aus der eigenen Brauerei und schufen so die Möglichkeit, Unterschiede zu erkennen. Es dauerte schließlich nicht lange, bis die Gäste des Bierkulinariums zwischen kräuterig-blumiger Aromatik mit Nuancen von Geranien dort und dem Duft nach frischem Heu und einer blühenden Frühlingswiese hier treffsicher unterscheiden konnten. Anno 1492, das Hochzeitsbier und der Fuhrmannstrunk etwa bildeten komplementäre Pärchen, die den Geschmackssinn der Teilnehmer forderten und intensivierten.

Mit einem Knistern serviert: Italienische Dauerbrenner, fränkisch fein interpretiert

Für einen Höhepunkt nach dem anderen sorgte jede Station des Vier-Gänge-Menüs, bei der sich die Gäste davon überzeugen konnten, wie sich der Charakter einer Bierspezialität zu Fisch, Fleisch und Gemüsen verändert. Hierzu bot jeder Gang reichlich Gelegenheit zu einer Hommage an italienische Teller-Berühmtheiten wie Vitello Tonnato und Saltimbocca. Letzteres kam von der Lachsforelle, die Salbeiblätter behutsam eingewickelt, umrahmt von einem typisch schlönzigen Risotto an frischem Fenchel. Zuvor zeigte die Grosch-Küche bereits mit ihrer Eigeninterpretation eines Vitello Tonnato aus hauchdünn geschnittener Ochsenbrust an Kapern und Feldsalat, in welcher Liga hierzulande gespielt wird. Den kulinarischen Schlusspunkt setzte ein Duett aus Tiramisu und Pannacotta, das im Aufsehen erregenden Zusammenspiel mit gestacheltem Bockbier zu einer aufregenden Dreierbeziehung wurde. Wahrlich ein würdiges Bierkulinarium zum 30. September, dem Silvester der Brauer und Bierkünstler unserer Zeit.