Das Zeug zu einem lodernden Fegefeuer der Eitelkeiten hatte es, und vielleicht sogar zum Glaubenskrieg. Denn zum ersten Mal hier bei uns und weit und breit befassten wir uns zu unserem 525-jährigen Braurechtsjubiläum als Sommeliers mit den Geschmacksnuancen von Bieren und von Weinen – in einer einzigen Veranstaltung. Doch was Meinungen auseinander treiben und Diskussionen hätte entfachen können, geriet stattdessen zu einem Lehrstück über die Schönheit des Lebens. Bereichert und vereint in zauberhafter Atmosphäre ließen sich unsere Gäste wie auch wir gleichermaßen von intensiver Genuss- und Geschmacksvielfalt davontragen. Und gewannen dabei einen ganz persönlichen Eindruck davon, wie wahr doch die alte Weisheit ist, dass gut Essen und Trinken Leib und Seele zusammenhält.

Obwohl sich noch ein weiteres geflügeltes Wort seit langer Zeit am Leben hält und es mit der Behauptung, dass sich Bier und Wein nicht vertragen, beinahe zur Weisheit gebracht hat, haben wir uns trotzdem getraut, mit unserem Jubiläums-Bierkulinarium etwas erlebbar zu machen, was es noch hier nie gegeben hat: Den direkten Vergleich zwischen den Geschmacksnuancen von Bier und Wein. Zusammen mit einer feinen Auswahl an unterfränkischen Weinen und oberfränkischen Bieren tischten wir die Wahrheit über Aromenvielfalt, Genusskultur und Handwerkskunst bei den vergorenen Heiligtümern aus Trauben hier und Gerstenmalz dort auf. 

Die Moral von der Geschicht’: Bier und Wein vertragen sich doch

Während Weine schon eine lange Tradition als Gegenstand ausgiebiger Sommelier-Untersuchungen haben, ist diese Kunst beim Bier noch relativ jung. Erstaunlich eigentlich, zumal die riesige Fülle an Geschmacksnuancen, die schon aus der rechnerischen Vielzahl an Möglichkeiten aus über 50 Malz- und mehr als 100 Hopfensorten entstehen kann, geradezu eine Einladung an den intensiven Geschmackstest ist. Und wie schon prophezeit, zeigte sich, dass die Gäste des Bierkulinariums schon nach kurzer Zeit zwischen kräuterig-blumiger Aromatik mit Nuancen von Geranien dort und dem Duft nach frischem Heu und einer blühenden Frühlingswiese hier treffsicher unterscheiden konnten.

Garant dafür war wohl die einzigartige Moderation durch drei Sommeliers, nämlich den Weinsommelier und Weingutinhaber Hugo Brennfleck aus Sulzfeld am Main, und die beiden Biersommeliers Kerstin und Christof Pilarzyk. Während sie schon bei den vorangegangenen Bierkulinarien gekonnte Vergleiche mit neuen und altbekannten Bieren aus der eigenen Brauerei anstellten und so die Möglichkeit schufen, immer feinere Unterschiede zu erkennen, setzte dieses Mal Hugo Brennfleck mit dem Fachwissen und der Leidenschaft aus über 425 Jahren Weinanbau im gleichnamigen Familienweingut der kulinarischen Luxusreise das i-Tüpfelchen auf. Und da die beiden Familienbetriebe mit Jahrhunderte überdauernder Leidenschaft an ein und demselben Ziel arbeiten, großartigen Geschmack in seiner ganzen Fülle erlebbar zu machen, zeigte sich schließlich, dass gemeinsame Werte und gemeinsamer Geschmackssinn viel Raum und Harmonie für ein gemeinsames, größeres Ganzes schaffen – und Bier sich eben doch hervorragend mit Wein vertragen kann.

Aufregend: Gerichte aus aller Welt, fränkisch fein interpretiert

Für so manchen ungeahnten Höhepunkt sorgte beim Bierkulinarium jede Station des Vier-Gänge-Menüs, bei der sich die Gäste davon überzeugen können, wie sich der Charakter einer Bierspezialität zu Fisch, Fleisch und Gemüsen verändert. Hierzu bot auch bei diesem Jubiläumstermin jeder Gang einen Blick über den Tellerrand zu wahrhaft kosmopolitischen Gaumenfreuden. Eben ein Jubiläumsfeuerwerk der Genüsse.

Das Menü zum Bierkulinarium

Fingerfood vorneweg

Weißwurstsalat

***

Lebermousse auf Pumpernickel

Menü

Tatar vom gebeizten Lachs und Mousse von der geräucherten Forelle
dazu Wachtelei und Wildkräutersalat an Champagnerdressing

***

Salat vom Spargel
mit Ruccola, Tomaten und Pinienkerne auf Roter Beete Carpaccio
dazu Camembert im Bierteig

***

Rosa gebratenes Kalbsfilet auf einer Anno 1492 Sauce,
dazu Frühlingsgemüse und Bärlauch-Kartoffelpüree

***

Erdbeer-Weißbier Kaltschale
mit Rhabarberkompott und weißem Schokoladen-Minz-Parfait